Von der vermeintlichen Traumimmobilie zur Schrottimmobilie

Überall hört man die Experten schreien: „Kaufen Sie jetzt Ihre Immobilie, die Zinsen sind so niedrig wie noch nie zuvor. Wer weiß, ob dies so bleiben wird.“ Dementsprechend entschließen sich viele zu einem der wohl größten finanziellen Vorhaben des Lebens. Leider manchmal mit unabsehbaren, bösen Folgen.

Was haben die EZB und Ihr Bauvorhaben gemeinsam?

Die EZB, die Europäische Zentralbank, hatte im März 2016 den Leitzins auf null Prozent gesenkt. Seitdem verharrt er auf diesem historisch niedrigen Niveau. Dies hat zur Folge, dass Sparer dumm aus der Wäsche gucken. Sparbuch, Tages- und Festgeld sowie Lebensversicherungen werfen kaum eine Rendite mehr ab. Alle die sich in solchen Zeiten verschulden, winken dagegen erfreulich mit niedrigen Zinsen. Das eigene Haus zu bauen war noch nie so billig. Das zumindest könnte man meinen. Doch Sie müssen auch die andere Seite der Medaille betrachten. Durch die hohe Attraktivität und den damit verbundenen Bauboom schießen die Immobilienpreise in die Höhe. Die Zinsen mögen zwar niedrig sein, aber die Preise sind es in jedem Falle nicht. Vor allem in den Großstädten, wie München oder auch London, gibt es horrende Mietpreise. Durch diese unaufhaltsame Entwicklung ist es für Laien mitunter schwierig abzuschätzen, welcher Kaufpreis noch angemessen ist und welcher bereits durch die explosionsartige Nachfrage viel zu teuer geraten ist. Sie müssen bei Ihrem Bau- oder Mietvorhaben stets eines bedenken: die Preise sind nicht deshalb so hoch, weil die Häuser plötzlich eine bessere Bauqualität aufweisen. Alleine die ungesunde Niedrigzinspolitik und die damit verbundene immens hohe Nachfrage, treiben die Preise in astronomische Höhen.

Sie dachten, Sie hätten es gefunden

Eines Tages schlagen Sie die Zeitung auf und entdecken das Angebot schlechthin. Sofort nehmen Sie mit dem Anbieter Kontakt auf und schon bald erscheinen Sie zu dem Besichtigungstermin. Der gute erste Eindruck von außen, den Sie durch den Vorgarten erhalten, wird im Innern der Wohnung bestätigt. Alles sieht so aus, als wäre es erst gestern fertiggebaut worden. Es sind keine groben Makel zu erkennen und Sie sind Feuer und Flamme, schon nächste Woche hier einziehen zu können. Als Ihnen der Vertrag vorgelegt wird und Sie gerade dabei sind, Ihre Unterschrift zu setzen, hält Sie die Maklerin davon ab. Sie klärt das Experiment auf: die Wohnung ist auf notdürftigste Weise renoviert worden. Die Decke wurde mit Spanplatten ausgelegt. Die hässliche, alte Farbe der Wand einfach überstrichen. Und damit Sie nichts von dem Schimmel mitbekommen, wurde alles fleißig zugemauert. Das besonders Fatale: als Laie fällt es sehr schwer, solche teils eklatanten Mängel erkennen zu können. Deshalb:

Was Sie beim Immobilienkauf beachten sollten

Lassen Sie sich nicht beim Kauf unter Druck setzen. Vereinbaren Sie wenigstens zwei Besichtigungstermine. Beauftragen Sie einen unabhängigen Gutachter zur Inspizierung der Immobilie. Ein Makler ist auch nur ein Vermittler beziehungsweise Verkäufer. Haken Sie also nach, was etwaige Mängel betrifft. Liegt das Objekt in einer Gegend, die auch in Zukunft attraktiv sein wird? Auch wenn der Papierberg abschrecken mag: lesen Sie sich den Kaufvertrag, etwaige Protokolle sowie Eigentumsregelungen gründlich durch.