Vom Millionär zum Tellerwäscher – die Branche der Makler ist nicht immer die erhoffte Aufwärtsspirale

Sie denken vielleicht, dass alle Makler reich sind, ein schickes Auto fahren und sich eifrig aus ihrem Fundus die tollsten Immobilien heraus picken können. Diese Annahme ist falsch, denn es kann auch genau anders herum gehen: vom Erfolg zum Misserfolg.
Nennen wir den armen Mann aus Gründen der Anonymität Herr Müller. Dieser Herr Müller war viele Jahre lang eifrig und gerne als Makler in Hamburg und Berlin sehr erfolgreich tätig. Die Trauben von Menschen, die sich vor der Tür zum Paradies, in manchen Fällen handelte es sich um eine schlichte 1.5 Zimmerwohnung, einfanden, waren der Ort, an dem Herr Müller regelmäßig aufblühte. Er konnte unter der großen Anzahl an Kunden frei wählen, denn die Wohnungen gingen immer weg – und Herr Müller kassierte seine Courtage. Das waren die tollen Jahre!

Die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung

In dieser Phase hätte man Herrn Müller noch beneiden können, um die Machtfülle und das leicht verdiente Geld. Umgezogen wurde schon immer fleißig und gerade die beiden Städte Berlin und Hamburg sind gefragte Orte, in denen die Mieter auch ordentliche Summen zu zahlen bereit sind. Die Löhne fielen dementsprechend recht üppig aus, der Aufwand das Exposé zu erstellen, eine Anzeige zu schalten und den Termin für die Besichtigung festzulegen, hielt sich auch in Grenzen.
Die im Jahr 2013 vom Bund aufgestellte Mietpreisbremse veränderte dann jedoch alles. Und genau diese war das Verhängnis für Herrn Müller. Denn ab 2015 wurden neue Töne angeschlagen, die unter anderem die Mieten in bestimmten Gebieten deckeln sollten, die aber auch leider Herrn Müller bzw. seine Dienste als Makler in vielen Fällen überflüssig werden ließen.

Das Bestsellerprinzip – wer bestellt nun Herrn Müller?

Neben nun deutlich mehr in den Fokus gerückten Mieten, wurde im Zuge der Neuregelung des Mietmarkts auch gleich das „Maklerunwesen“ ins Auge gefasst. Daraus wurde das so genannte „Bestsellerprinzip“ entwickelt, welches besagt, dass Herr Müller fortan sein Geld von der Person bekommen sollte, die ihn beauftragt hat. Das war und ist in aller Regel der Vermieter der Immobilie, als Auftraggeber und Anbieter der Wohnungen. Da die Vermieter aber wenig Interesse daran haben, gemäß den neuen Regelungen 2.2 Mieten an Herrn Müller zu zahlen, nur um einen Mieter im Haus zu haben, wurden sie aktiv. Eigene Datenbanken voll mit potenziellen Interessenten wurden angelegt bzw. reaktiviert, man stellte fortan kostenfreie Anzeigen bei Immonet und Co. ein. Und was ist in der Folge aus dem guten Herrn Müller geworden? Der musste sich leider einen neuen Beruf suchen. Wie man hört, soll er jetzt in einer anderen Branche tätig sein. Wie weit diese Geschichte typisch für die Branche ist, ist schwer zu sagen, aber solche Fälle treten seit 2015 sicher häufiger auf.